Stillstand

Stillstand

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Stillstand ist ein Wort, dass mich seit geraumer Zeit viel beschäftigt. Stillstand ist laut Wiktionary das „Ende einer Bewegung, eines Prozesses/ Vorgangs“. Das kann positiv sein, wenn es sich dabei um eine Bewegung handelt, die zerstörerischen Ausmaßes ist. Mich beschäftigt aber vielmehr der Stillstand in den Köpfen der Leute.

Die Welt steht nicht still. Ganz im Gegenteil. Man hat eher das Gefühl, dass sie sich mit jedem Jahr schneller und schneller dreht. Zeit ist ja bekanntermaßen relativ. Das kann anstrengend und beängstigend sein, kann zum persönlichen Stillstand führen. Man wird übermannt von einer nie endende Flut an Informationen. Es kommt dazu, dass man weder vor noch zurück geht, weil man nicht mehr weiß, wo man überhaupt anfangen soll. Also bleibt man einfach an Ort und Stelle stehen, denn da ist noch alles irgendwie zu überschauen. Wenn man nicht links oder rechts schaut, kann man sich sogar einreden, dass alles in Ordnung ist.

Zumindest bis man dann doch im Augenwinkel mitbekommt, dass alles an einem vorbeizieht. Dann muss man sich entscheiden, ob man nochmal alle Kraft sammelt um aufzuschließen, oder ob man resigniert und sich seinem Schicksal hingibt und zurückgelassen wird.

Ich persönlich will nicht zurückgelassen werden. Sicher werde ich von vielen überholt werden. Es ist der Lauf der Dinge, dass man in bestimmten Bereichen von der „Jugend“ überholt wird. Aber ich bin es mir persönlich schuldig zu versuchen, niemals stehen zu bleiben und mein Wissen weiter auszubauen. Ich kann wohl verstehen, wenn Leute demotiviert sind, weil der Abstand schon sehr groß zu den Erstplatzierten ist. Aber man muss ja auch nicht immer nach dem ersten Platz streben. Gutes Mittelfeld ist doch auch schon nicht so schlecht.

Mitgefühl kann ich tatsächlich rein gar keins für Leute aufbringen, die nichts tun um am Ball zu bleiben. Das Leben ist nicht einfach, kein Wunschkonzert und schon gar nicht fair. Aber wer hart an sich oder einfach generell mal arbeitet, der bekommt auch etwas zurück. Vielleicht nicht morgen oder übermorgen. Wenn man aber dabei bleibt, wird einem Gutes widerfahren – zumindest steigen die Chancen enorm. Wer sich aber ausruhen und mitgeschleift werden will, der wird irgendwann zurückgelassen.

Die letzten Monate habe ich mich gezwungenermaßen viel mit dem Stillstand in den Köpfen der Menschen auseinandergesetzt. Es ist traurig, dass es so viele Leute gibt, die sich einer Weiterentwicklung standhaft widersetzen. Man versucht, diese Leute wieder auf Kurs zu bringen, versucht Ihnen klar zu machen, dass sich etwas ändern muss. Veränderung scheint aber unerwünscht zu sein. Nichts ändert sich. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass auch nur ein Funke an Motivation da ist, Veränderung herbeizuführen. Wie geht man damit um? Soll man sich ausbremsen lassen? Andere Leute mit ins Verderben ziehen, nur weil ein paar wenige keine Lust haben, etwas zu tun? Anderen die Möglichkeit nehmen, ihre Chance zu nutzen?

Richtig schlimm wird es, wenn keine Selbstreflexion mehr vorhanden ist und diese Leute dann auch noch davon überzeugt sind, dass sie doch alles richtig machen würden. Alle anderen sind dann Schuld daran, dass es nicht richtig läuft. Selbstmitleid ist hier das ausschlaggebende Wort. Es ist eben immer einfacher, die gesamte Welt für alles verantwortlich zu machen, als an sich selbst zu arbeiten.

Doch wie einfach wäre es auch, sich in ein Buch zu vertiefen, ein paar Blog-Posts durchzukämmen oder sich ein kurzes Video zum Thema anzuschauen. Alles Dinge, die notwendig sind, um am Ball zu bleiben. Alles Dinge, die gar nicht mal so viel Zeit in Anspruch nehmen.

Und Zeit ist mittlerweile eben eines meiner wichtigsten Güter – neben Wissen. Die kommt nun hier ganz extrem ins Spiel. Denn die Zeit, die ich habe, investiere ich eben lieber in die Leute, die sich weiterentwickeln wollen oder Potenzial zeigen. Etwas Zeit benötige ich dann ja auch noch für mich selbst.

Insgesamt finde ich es aber einfach nur Schade, wenn man im Stillstand versinkt. Vor allem, wenn einem doch Hilfe angeboten wird.