Was ist „Material Design“ von Google und was gibt es zu beachten?

Was ist „Material Design“ von Google und was gibt es zu beachten?

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Material Design“ ist die neuste Designrichtlinie von Google, die vor allem mit dem neuen Android-Betriebssystem und Google Glass  bzw. der Smartwatch Einzug erhalten wird. Entsprechendes gibt es selbstverständlich auch von Apple für das neue iOS 7. Das sollte eigentlich schon als Erklärung dazu ausreichen. Ist halt eine Designrichtlinie. Doch fällt mir auf, dass oftmals missverstanden wird, wobei es sich bei dieser als auch bei Apple’s Designrichtlinie eigentlich handelt. Ich will hier auch gar nicht auf Details der Richtlinie eingehen, sondern vielmehr darauf, wie man mit einer Designrichtlinie umgehen sollte.

Design hat nichts mit der Optik zu tun

Ganz wichtig für mich ist das Verständnis für die beiden Designrichtlinien. Diese haben nämlich entgegen der Auffassung vieler, bis auf ganz wenige Ausnahmen nichts mit der tatsächlichen Optik einer Homepage oder App zu tun. Natürlich transportieren sowohl Google als auch Apple ihr eigenes Design in der Darstellung ihrer Beispiele. Dadurch entsteht oft der Eindruck, dass ab sofort alles nur noch so aussehen soll, als käme es direkt aus den Laboren dieser Unternehmen. Sicherlich etwas, das für beide sehr zu begrüßen wäre. Wenn aber alles nur noch einer Standard-Oberfläche entspricht, erreicht man damit, dass der normale Benutzer von Apps oder Besucher von Webseiten nur noch diese Oberflächen problemlos bedienen können und dadurch auch nur noch diese als gut empfinden. Für die Internetlandschaft würde das eine sehr traurige Zukunft bedeuten, da man dann nur noch gleich aussehende Webseiten und Apps vorgelegt bekommen und sich dadurch letzlich in die totale Abhängigkeit von Apple oder Google begeben würde. Beide arbeiten ja auch extrem daran, genau das zu verwirklichen.

Sowohl Google als auch Apple versuchen mit ihren Richtlinien, Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung in ganz konkrete „Best Practices“ zu packen, um die Interaktion von Person und Webseite bzw. App zu verbessern. Es werden unterschiedlichste Beispiele angeführt, die zeigen sollen ,wie man es bestenfalls machen sollte und was vielleicht nicht so optimal ist. Zum besseren Verständnis werden auch Bilder verwendet, die teilweise auch schon etwas detaillierter sind. Man darf aber nicht dem Trugschluss erliegen, dass es sich dabei auch um „Best Practices“ für die Optik handelt. Es handelt sich hierbei um Interaktionsdesign und nicht um Grafikdesign.

Es werden beim „Material Design“ beispielsweise auch Angaben dazu gemacht, wie unterschiedliche Buttons dargestellt werden sollten (nur Schrift, mit Umrandung, Vollfarbe). Aber auch dabei handelt es sich nur um die Form der Buttons und nicht um die letztendliche Optik. Deshalb ganz wichtig: Die Elemente sollen sich an den Designrichtlinien orientieren, dürfen aber in der Optik natürlich auch ganz anders aussehen.

Als Richtlinie gut, aber nicht der Weisheit letzter Schluss

Generell finde ich solche Designrichtlinien sehr interessant und sind eine gute Quelle für Denkanstöße. Doch allzu oft verfallen Designer dem Wahn, dass diese Richtlinien in Stein gemeiselt und die einzig wahre Wahrheit darstellen. Ich schaue da speziell auf die Apple-Anhänger, die wohl die ganze Welt gerne im Appledesign sehen würden. Scheinbar ist die Gefahr, die davon ausgeht, nicht allen klar.

Obwohl Apple und auch Google natürlich sehr viel Zeit und Geld in die Entwicklung besseren Interaktionsdesigns investieren, darf man nie dabei vergessen, dass es sich bei beiden Unternehmen nicht um Wohlfahrtsgesellschaften handelt, sondern um knallhart kalkulierende Unternehmen. Selbstverständlich vertritt Apple seine Designrichtlinie und finde dafür auch sehr gute Erklärungen. Schließlich werden diese Richtlinien ja auch im neuen iOS umgesetzt. Apple kann sich kaum eingestehen, dass bestimmte Punkte vielleicht doch gar nicht so stimmen, wie sie vielleicht behaupten. Damit würden sie ihr eigenes Produkt diskreditieren. In einem Jahr wird man von Apple aber vielleicht schon wieder ganz andere Töne zu bestimmten Designkriterien hören. Man denke da nur an das jetzt umstrittene „Hamburger“-Menüsymbol, da auch in iOS große Anwendung fand.

Im Gegenzug dazu verwendet Google übrigens immer noch das Hamburger Menüsymbol in seiner Designrichtlinie. Auch in anderen Punkten widerspricht die Designrichtlinie von Google der von Apple. So ganz klar scheinen einige Themen wohl doch noch nicht zu sein. Dennoch sieht es bei Google nicht anders als bei Apple aus.

Wird bei Google immer noch verwendet: Das Hamburger Menü (die drei horizontalen Striche links oben, hinter denen sich ein ausklappbares Menü versteckt)

Wird bei Google immer noch verwendet: Das Hamburger Menü (die drei horizontalen Striche links oben, hinter denen sich ein ausklappbares Menü versteckt)

Bitte kein Tunnelblick

Die Designrichtlinien der großen Player beinhalten sicherlich viele Punkte, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Sie sollten aber auf keinen Fall dazu führen, dass man sich nur noch auf vordefinierten Schienen fortbewegt. Es wäre traurig, wenn die Designlandschaft im Netz irgendwann nur noch Apple und Google huldigt und nicht mehr den Mut aufbringt, die eigenen Ideen umzusetzen.